Marathoni – oder alles auf eine Karte – 42K Berlin 2017

Laufen .. das war die Idee vor 2 Jahren um den vernachlässigten sich degenerierenden Körper wieder ein bisschen in Form zu bringen. Ein Marathon ? Nein ! Ein Marathon mit Zielen ? Schon gar nicht ! Sicher wäre der Kelch auch an mir vorbeigegangen wäre ich nicht in die Mühlen der Bremer Racebooker geraten. Ein Lauf kam zum nächsten.. ein Gespräch ergab das eine und das andere. Geschichten wurden erzählt und Faszinationen wurden reich geschmückt mit voller Leidenschaft und leuchtenden Augen während der vielen Kilometer unter den erfahrenen Läufern ausgetauscht.
Chancenlos sich dort zu separieren wollte ich allerdings keine aktive Entscheidung pro eines Marathons fällen – zwangsläufig blieb nur der Berlin Marathon als regulativ – dort kann man nämlich nicht selber entscheiden ob man teilnehmen kann oder nicht – man wird ausgelost. Es traf mich also das Los im Dezember 2016 und nun stand ich hier heute: 45000 Starter bei einem der größten Marathons der Welt. Es regnete und es war kalt. Blöderweisehatte ich mir am Dienstag vor dem Lauf noch feines Schienbeinkantensyndrom links eingelaufen so dass ich nur mit ein paar Mittelchen eines guten Helfers überhaupt starten konnte. Im Startblock D ging es auf die Reise, 3m neben mir war der Pacer für 3:45 ebenfalls losgetrabt. Wenn die Gräten halten sollte 3:45 keine Problem sein – also dran hängen. Die Gruppe hatte etwa 30 Läufer und kam gut voran. Die Gruppe war etwa 30 Läufer groß – zerfiel aber recht schnell bereits nach 2 Kilometern was ich aber nicht weiter registrierte. Ganz klar mangelnde Erfahrung und falsch fokussiert. Später mehr. Da meine Uhr nur unzureichende und vor allem inkonstante Daten lieferte (Pace bis 7:00) habe ich darauf verzichtet weiter meinen Lauf zu überprüfen sondern habe mich weiter an den Pacer gehängt und die Uhr Uhr sein lassen.
Ich habe zu keiner Zeit in diesen Lauf gefunden. Mich hat sehr gestört in welcher Art und Weise miteinander an den Versorgungspunkten umgegangen worden ist. Rücksichtslos und oft ohne Umsicht. Dann langsamste Läufer die dauernd mitten auf der Strecke, oft sogar auf der Blue Line, “Ihr” Ding machten ohne auf andere zu achten. Natürlich das Wetter und die Tatsache dass es mir nicht möglich war meinen Rhythmus zu finden und darüber hinaus ganz viele andere Gedanken die dafür sorgten dass ich vieles wichtige aus den Gedanken nicht abrufen konnte. Ich habe auch nicht viel von der Strecke mitbekommen. Ich habe immer auf diesen Moment gewartet an dem es so weit sein sollte dass die Wirkung dessen, was ich mir morgens gegen die Schmerzen in linken Schienbein “verordnet” habe aufhört. 4 Stunden sollte die Wirkung anhalten. Also etwa 2 Stunden nach dem Start dachte ich mich immer mehr in die kritischen Stellen und versuchte diese gedanklich “weg zu denken”. Tausend Aspekte in meinem Kopf machten es möglich noch eine weitere halbe Stunde abzulenken und gedankenverloren durch Berlin zu laufen. Ohne Plan und ohne wirkliches Ziel. Viel Sehenswertes ging und kam, tolle Zuschauer und bewundernswerte Läufer habe ich gesehen aber kaum registriert. Der so lang daher gesehnte Tag verschwand im nichts der Leere.
Die Wirklichkeit erreichte mich dann ab etwa 2 Stunden nach dem Start. es müssen so 23km gewesen zu sein als ich das erste mal links durchknickte und fast gestürzt wäre. Die Schmerzen kamen mit Macht zurück und wurden ein Teil meines Bewusstseins für mindestens die folgenden 2 Stunden. Das gerechne begann. Ich hatte bei km 30 noch immer eine ordentliche Pace aber ich merkte dass ich das so nicht ewig ertragen kann. Einzig das Wissen mehrfach diese Strecke deutlich geschmeidiger diese Strecke bewältigt zu haben gaben mir Mut es doch so weiter zu machen. Alles auf eine Karte ! Ich hatte dort einen ordentlichen Vorsprung auf mein ausgegebenes Ziel von 03:59:59 so dass ich glaubte so lange weiter zu machen um dann mit etwas gemäßigter Geschwindigkeit locker ins Ziel zu kommen.
Kurz vor 31 und ich kniete auf der Straße. Das linke Schienbein konnte einfach keinen Widerstand mehr ab. Jeder wird wohl das Gefühl kennen wenn es kurz mal knapp wird mir der Stabilität.. aber dieses mal konnte ich es nicht mehr kontrollieren. Ich war also auf allen Vieren und rechts und links lief das Rennen an mir vorbei. Wie in einer Zeitlupe überlegt ich was zu tun ist.. auf und weiter war der erste Gedanke .. der zweite war das ganze trotzdem ordentlich und aufrecht zu Ende zu bringen.
Aber es ging einfach nicht. Verzweifelte Versuche auf reinen Vorderfusslauf umzustellen scheiterten, ein abgeguckter Ultra Style von Toni ebenso..
Zum Glück war das Wetter so schlecht dass gar nicht daran zu denken war den Lauf abzubrechen. Sicher wäre dabei ein gehörig langer Aufenthalt im Krankenbett mit einer ordentlichen Spätsommergrippe heraus gekommen. Somit musste es bis zum Ende gehen, Das passt eh besser in meine Grundhaltung.
Gesagt getan.. Die letzten paar Kilometer sind Geschichte und ich lief durch das Ziel in 03:57:25.. Ziel erreicht und Nase abputzen.

Fazit: Dumm war es anzutreten aber Dumm wäre aus auch gewesen nicht anzutreten. Selten habe ich über solch eine lange Zeit so schlechte Laune gehabt. Ich würde mich auf diese Wege gerne bei Michael K. und seiner Frau entschuldigen weil ich glaube dass ich es bis hier noch nicht weitgehend genug gemacht zu haben. Alles auf eine Karte setzen war richtig. Das bewältigen und das ertragen von Niederlagen ist mir neu aber es ist auch wunderbar so viele neue Facetten zu erleben.

Weiterhin zolle ich einen Riesen Respekt vor den Leistungen von:

Sebastian Kohlwes in 2:26.. was für eine Zeit !
Michael Klinke, Harald Box, Jan Bahlmann, Corinna Krause, Sonja von Lienen, Annett Zielske, Thomas Putzke und Marko Schade .. Ihr seid Gewinner !

Jetzt bin ich ein Marathoni — sollte das jemand aus meiner Familie jemals lesen .. ihr würdet euch wundern was ich zu erzählen habe – nicht nur über den Marathon ..Ihr müsst nur fragen.

Das Bild übrigens zeigt die U-Bahn Station direkt unter dem Bundestag. Unglaublich dieser Eindruck- klinisch rein und völlig makellos. Ein besonderer Moment zu sehen dass so etwas noch möglich ist.

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