Oft, meistens, ab und zu ..

18 Grad sei es heute in der Saale, bisschen frisch aber akzeptabel zu schwimmen, daher wurde die Strecke ein wenig verkürzt. – so der Rennleiter und Original der Veranstaltung Klaus-Dieter Gerlang – ist doch keine Frage, werden hier jetzt einige denken – den 5mm Neo an und ab gehts! Nein, Nein! Hier an der Saale sind die Menschen was anderes gewöhnt und somit herrscht ein generelles Neopren Verbot.
Ein bisschen verrückt ist das ja schon den Weg aus dem hohen Norden in das reizvolle Sachsen-Anhalt nach Halle an der Saale zu fahren um nun einmal in dieser 2 km zu schwimmen. Zumal wir vor einer Woche erst hier auf dem Weg zum Knappenman und zurück an Halle vorbeigekommen sind. Von daher haben wir uns entschieden, nicht wieder das ganze Wochenende zu belegen, sondern einfach einen Tagesausflug zu unternehmen.

Wettkampfbesprechung

Der Einstieg für Daniela und mich über die 2km war zwar erst um 14 Uhr und somit doch genug Luft für eine gemütliche Anreise. Da Leonie aber wie in den Vorjahren über die verkürzte 600m Strecke am Start war, hieß es, recht früh aufzustehen und leicht müde auf die Piste zu steuern. Im Anschluss an einen kurzen Stopp nach Verlassen der Autobahn, wo uns ein beachtenswert minderwertiger Frappé im Sonnengarten einer bekannten Fast Food Kette serviert wurde, kamen wir ausreichend früh an, um einen Parkplatz nah am kommenden Geschehnis zu finden. Daraufhin haben wir gemütlich die Startunterlagen in Empfang genommen.
Super Stimmung bei doch leicht schattigen Temperaturen und somit immer ein banger Blick auf das nicht aus der Ruhe zu bringende kühle Nass der Saale.
Nach einem kurzen Fußmarsch am Flüsschen entlang um ein bisschen Bargeld zu besorgen da ich versäumt hatte, die Startgebühr zu überweisen – peinlich – haben wir schon einmal während des Weges auf einer Brücke, die Richtung Downtown Halle führte, die kommende Schwimmstrecke besichtigt. Daniela und Leonie sind da ja alte Hasen. Ich hingegen hatte bisher nie eine solche Distanz in einem fließendem, zudem dazu saukaltem Freiwasser zurückgelegt.

Aber es blieb ja noch Zeit. Zunächst war ja das kleine Saaleschwimmen mit einem erlesenen Teilnehmerfeld am Start: Antje Buschschulte und Ihr Mann Helge Meeuw – beides mehrfache Weltmeister und Olympiatreppchensteher – gaben sich die Ehre um Ihre immer noch bestehende Verbundenheit zur lokalen Schwimmszene zu demonstrieren, eine sehr feine Geste, wie ich finde.

Warten auf den Start zum kleinen Saaleschwimmen


Noch immer hatte ich ein komisches Gefühl im Bauch – wegen der Temperaturen – 18 Grad – Puh …
Als aber dann Leonie in aller Gelassenheit mit Ihren frischen 14 Jahren Richtung Startponton schritt und wie selbstverständlich ins Wasser stieg, um dann in der lausekalten Saale noch ein paar Minuten auf den Start zu warten, gab es dann nun auch für mich wohl keine Ausflüchte mehr. Ganz entspannt kraulte sie die Saale hinab, um einstweilen rückenschwimmender Weise das Geschehen zu betrachten. Selbst ein paar Gaukeleien waren noch drin. Ihre größte Sorge – als Letzte aus dem Wasser zu steigen – waren natürlich völlig unbegründet. Im Mittelfeld beendete sie souverän das Rennen. Etwas bibbernd aber beglückt.

Leonie in Action

Nun also noch wir, also die angejahrten Teilnehmer und das große Saaleschwimmen. Doch bis dahin gab es noch etwas Wartezeit, die wir uns auf einer Grünfläche neben der Saale auf einer Decke vertrieben und uns währenddessen des Lebens bunte Fülle so anschauten.

Olympialuft ..

Nun begann die Warterei auf unseren Start – bis zur Kurzbesprechung – wieder von Klaus-Dieter Gerlang. Und wieder hieß es: „Etwas frisch sei es heute,18 Grad, meistens .. ab und zu .. kam mal vor .. 😉 also 15 sind es mindestens … nur Mut !
Zu allem Überfluss musste nun auch noch bis zum Start gegangen werden. Auf den Weg dorthin hörten wir gespannt dem ein oder anderen Schwimmer zu, die Ihre Chroniken der vergangenen Jahre erzählten. Auch dass es noch nie so viele Beobachter gab wie in diesem Jahr. Von Kadertraining bis zu Bodenseequerungen war sehr eindrucksvoll die Rede. Dani kennt sich da ja aus von damals aber ich als weitestgehend geschichtsloser Schwimmer, war schon imponiert.


Am Startbereich angekommen schien freudig die Sonne so dass man sich noch bis kurz vor dem Start und dem dazu unvermeidlichem Ablegen des wärmenden Outfits gemütlich auf die Starterbeutel setzen konnte. Gestartet wurde Corona bedingt in Wellen zu je 50 Teilnehmern nach Startnummer sortiert in einem Abstand von 2 Minuten. Kurz vor dem Start der einen Welle war die folgende aufgerufen sich in Position zu bringen, sprich ins Wasser zu gehen. Der Moment der größten Überwindung für mich – zudem die Vorstellung, infolgedessen dann zwei Minuten im Wasser unbewegt warten zu müssen, die Freude doch erheblich schmälerte.

Dani war in der Welle vor mir und ich konnte unter all den Startern deutlich Ihr Aufjaulen nach dem ersten Untertauchen hören. Das kannte ich aus unseren Schwimmereien in den frühen Monaten des Jahres aus dem Unisee in Bremen. Keine gute Prophezeiung der Lage für mich.
Start von Danis Welle und damit das Zeichen ins Wasser zu spazieren. Was ein Schock ! Ich war ja schonmal bei ähnlichen Temperaturen im Wasser. Aber immer mit Neo. Bei diesen fast “fiebrigen” Zuständen wäre das ein dicker Neo gewesen. Die waren ja heute untersagt, aber zugesagt ist akzeptiert. Es folgten die wohl bislang längsten 2 Minuten, die ich mit 49 anderen bibbernden Menschen gemeinsam durchlitten habe. Alles schien wie in Zeitlupe voranzugehen. Die Finger wurden langsam steif und ansonsten nahm mein Geist Fahrt auf sich gegen ein weiteres Hineintauchen in die Fluten zu erheben.

Start

Startschuss und hinabtauchen in die dunkle Saale. Auf den ersten Metern überwog die durch die Kälte bedingte Steifheit des Körpers, der sich nur schwer in Fortbewegung setzen liess. Später dann durch die Dynamik der Gruppe und des Flusses immer mehr die Freude und Euphorie aufgrund der Lebendigkeit des Moments.
Auf dem Weg zum Start habe ich einige taktische Überlegungen in meiner Umgebung aufgeschnappt, die mich dazu veranlassten, die Mitte der Saale zu suchen. Dort wäre die günstigste Kombination von Strecke und Fließgeschwindigkeit zu finden. Ob das so ist werde ich vermutlich nie herausfinden. Aber es gab ein wohliges Gefühl einen Plan zu haben, obwohl es keiner war.


Ich schwamm im vorderen Grüppchen mit, aufgrund meiner „Taktik“ jedoch abseits allein. Langsamere Schwimmer kamen aus der vorangegangenen Startgruppe vor uns in Sicht und wir flogen förmlich daran vorbei. Von hinten stürmten die Ersten aus der uns nachfolgenden Startphase heran. So eng liegen Euphorie und Ernüchterung beisammen. Die Saale formt hier eine leichte Rechtskurve in die Landschaft und kurz darauf thront die Liebichsteinbrücke, in dessen unmittelbarer Nähe vorhin der Start des kleinen Saaleschwimmens war.

So sind, sobald man unter Ihr durchgeschwommen ist, so um die 500 weitere Meter zu absolvieren. Es wird hier immer enger da sich ja jeder in Richtung Ausstieg orientiert. Dieser ist ein ziemliches Nadelöhr mit einer Breite von etwa einem Meter. Dieser durch Bojen gekennzeichnete Abschnitt war für mich eindeutig zu erkennen. Zumal diese Zone vor dem Start Gegenstand der Wettkampfbesprechung war. Einige andere hatten da mehr Schwierigkeiten und hatten daraufhin ein paar Bonus Meter stromaufwärts.
Aus dem Strom heraus folgte man einer Rampe an dessen Ende ein Spalier aus klatschenden und beglückwünschenden Menschen wartete. Inklusive einem abschließenden Händedruck durch den Rennleiter. Wichtiger war das Finisherhandtuch und der heisse Tee um den durchgefroren Leib wieder zum Leben zu erwecken. Dani war schon lange da und zitterte bibbernd eingepackt in kuscheligem Handtuch und umklammerter Teetasse in Ihrem nassen Schwimmanzug. Neben dem Tee warteten zahlreiche Köstlichkeiten liebevoll auf einer Tafel angerichtet. Trotz der Kälte, die durch den ganzen Körper strömte, war es ein wenig skurril, Bienen zu sehen, die um die Süßigkeiten umherschwirrten. In der Sonne herrschte eben eine angenehme Septemberwärme.

Zielbogen

In den letzten Jahren hatte Daniela Ihre Altersklasse gewonnen. Daher war uns vorher klar, dass wir nicht direkt nach dem Wettkampf die Heimreise antreten, sondern damit ein bisschen warten wie sich die Ergebnisse entwickeln.
Aufgrund der offenen Abholung der am Start abgegebenen Beutel war es für uns erforderlich, vor Ort bleiben. Im Zuge dessen verging die Zeit bis zum Studieren der fertigen Ergebnislisten schneller wie erwartet.
Wie vermutet fanden wir Daniela auf dem Treppchen Ihrer Altersklasse wieder. Zwar nicht zu oberst aber zumindest ließ der doch stattliche Abstand voraus vermuten, dass selbst bei einer normalen Saison mit dem gewohnten Trainingspensum ein weiter vorne liegendes Resultat schwierig zu erreichen gewesen wäre. Über eine Minute Differenz ist da schon enorm. Trotzdem Platz 2. Zufriedenheit stellte sich langsam ein.
Meine Platzierung war da in gewisser Weise mehr zum Ärgern geeignet. Auf Platz 6 in der Altersklasse 45 beendete ich mein erstes Saaleschwimmen und damit 6 Sekunden getrennt von Bronzerang. Das war aber nicht stichelnd bedauerlich, da ich es gewohnt bin, mir nichts auszurechnen. Im nächsten Jahr visieren wir an, es ein weiteres Mal zu hier im Fluss zu versuchen. Da passiert sowas garantiert nicht wieder da ich dann in der M50 starte und es da ungemein flotter zur Sache geht.

Siegerehrung W40

Das Prozedere der Siegerehrung war dann wenig spektakulär aber launisch vorgetragen. Besonders war die Tatsache, dass mit Gesamtsiegerin Alisa Fatum eine amtierende Weltmeisterin den Pokal entgegennahm. Wann hat man so etwas schon mal. Diesen Titel hatte Sie im Januar beim Eisschwimmen in einem 0 Grad kalten See in Murmansk erkämpft. Mit einer Zeit von 13:09 Minuten über 1000m pulverisierte sie dort den bisherigen Weltrekord von 14:58 regelrecht. Tropische Verhältnisse dagegen hier in Halle im September für Alisa.
Wir gönnten uns derweil in Gestalt von jeweils einem Bier für Daniela und mich und einer Cola mit Pommes für Leonie eine erste Belohnung. Damit versüßten wir uns die Leistung im Wasser und die Warterei an Land. Nachdem Dani Ihre Medaille und Ihre Urkunde überreicht bekam, brachen wir, doch erschöpfter wie erwartet, auf den Weg zurück nach Bremen auf. Retour am Schlosspark im Anschluss an eine leicht durch Stau verzögerte Fahrt angekommen, wartete die wohlverdiente Pizza auf die glücklichen, aber müden, Tagesausflügler.
Im nächsten Jahr, so die Pandemie es zulässt, findet das Saaleschwimmen Anfang Juli statt. Wir streben an, auf jeden Fall dabei zu sein. Zum Einschwimmen für den ITU Event in Hamburg einen Tag später ..

Gut Naß, Hurra!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.